Matthias Mader schreibt in der Neuen Chorzeit, Ausgabe November 2006:
Rock- und Jazzchor nennt sich „VoicesInTime“, der Münchner Sieger des diesjährigen Deutschen Chorwettbewerbs.
Tatsächlich sind sie aber mit Blick auf ihre Live-CD „One Two 1234“ in erster Linie ein Popchor – und kein schlechter. Robbie Williams’ programmatischer Hit „Let me entertain you“ eröffnet sicher nicht zufällig diese CD. Die in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk entstandenen Aufnahmen zeigen die Vielfalt seines Programmes und vor allem seinen geschlossenen, unglaublich homogenen Chorklang, der in jedem Moment außerordentlich zivilisiert und gesittet klingt. Das ist alles schon so schön, dass dem Kuschelpop höchstens noch ein wenig Biss und Angriffslust fehlt. Denn hier trifft das bei Pop und Rockchören oft zu beobachtende Paradoxon zu, dass zuviel Perfektion auch schaden kann: Der permanente Wohlklang ist nach einer halben Stunde nicht mehr besonders spannend. Aber es gibt ja noch ein paar echte Highlights. Etwa das wunderbar intime, das kammermusikalische „Afro Blue“. Oder „Acappella in Acapulco“, mit dem die Sänger beweisen, dass sie ihren Chornamen zu Recht gewählt haben. Das groovt in perfekter Eintracht aus eleganter Lässigkeit und sorgfältiger rhythmischer Vollendung ganz besonders entspannt und entspannend.
Und dann ist da natürlich noch die kleine Suite des Chorleiters, „Eins in Zwei“, mit ihren drei charakteristischen Stücken über Liebe und Begehren. Blitzschnell schalten die Sänger vom lockercharmanten Erzählen des ersten Teils in die meditative Ruhe der insistierenden Patterns, um alsbald ganz gelassen ein durchaus dramatisches Klanggeschehen aufzubauen.
Matthias Mader
im November 2006